Können Roboter Chef?

Können Roboter Chef?

Maschinen übernehmen in unserem Alltag immer mehr Aufgaben. Wenn wir einen Termin haben, navigieren sie uns dorthin, wenn wir jemanden anrufen möchten, halten sie die Nummer parat. Wir vertrauen Aussagen von Sprachcomputern und stellen deren Wahrheitsgehalt selten in Frage.

Wollen wir lieber unter einem Roboter arbeiten?

Einer Umfrage der US-Firmen Future Workplace und Oracle zufolge, bevorzugen knapp zwei Drittel der Befragten einen Roboter als Chef. Dieses Ergebnis deckt sich mit einer ähnlichen Studie des MIT in Cambridge. In dieser konnten Teams in verschiedenen Handlungssituationen entscheiden, ob ein Mensch oder eine Maschine Anweisung geben sollte. Die meisten Teams zogen die Maschine vor. Die Bevorzugung wurde im Nachhinein dadurch begründet, dass sich die Testpersonen von der Maschine besser verstanden fühlten.

„Overtrust-Effekt“

Die Testergebnisse mögen verwundern, können jedoch wissenschaftlich erklärt werden. Es ist das Phänomen des sogenannten „Overtrust-Effekt“ aufgetreten. Das bedeutet, dass wir in schwierigen oder unübersichtlichen Situationen lieber auf eine Maschine als auf einen Menschen hören. Warum tun wir das? Wir bilden uns ein, dass Roboter verlässlicher seien und eher den Überblick haben. Auch glauben wir, dass Maschinen in Ihren Handlungen nicht durch Befindlichkeiten oder Emotionen beeinflusst werden – ganz im Gegensatz zu uns Menschen.

Der unbedingte Glaube an maschinelle Entscheidungen lässt uns Anweisungen sogar dann ausführen, wenn sie offensichtlich falsch sind. Haben Sie gedreht oder sind sie weitergefahren, als das Navigationssystem Sie fehlgeleitet hat :)?

Was hat ein guter Chef einem Roboter voraus?

Im industriellen Zeitalter war es gängige Praxis, den Anweisungen des Chefs zu folgen. Im digitalen Zeitalter ist diese Art zu Führen, insbesondere in projektbezogenen Teams, nicht mehr zeitgemäß. Auch wenn von Führungskräften erwartet wird, möglichst fehlerfrei und präzise zu arbeiten (Eigenschaften eines Roboters), so sind es doch andere Qualitäten, die einen guten Chef ausmachen:

Das richtige Maß an Durchsetzungsstärke (nicht zu verwechseln mit Durchsetzungswille) verbunden mit sozialer Nahbarkeit.

Mitarbeiter erwarten, dass Sie als Führungskraft die Emotionen im Team wahrnehmen und sicher steuern können. Es muss jemand da sein, dem sich die Kollegen anvertrauen können. Es gilt aber das richtige Maß dafür zu finden, denn ein Zuviel an sozialer Freundlichkeit kann als Durchsetzungsschwäche ausgelegt werden.

An der richtigen Mischung aus Zugewandtheit und Durchsetzungsstärke scheitern Roboter bisher.

Roboter können uns zwar Entscheidungen abnehmen, sie können aber nicht die Meinungen und Ideen der Gruppe einbeziehen oder situativ abwägen. Sie können nicht erkennen, wenn eine Alternative die bessere Wahl wäre. Sie können nicht erkennen, wenn ein Mitarbeiter situativ mit einer Aufgabe überfordert ist, weil ihn private Probleme belasten.

Das Erkennen von Gefühlslagen, das Steuern von Emotionen, das Lösen schwieriger Situationen und das fungieren als „Kummerkasten“ sind Qualitäten, die es als Führungskraft zu stärken gilt.

Ja, Roboter können Anweisungen geben. Als sichere, empathische Führungskraft haben Sie Qualitäten, die keine Maschine Ihren Mitarbeitern bieten kann.